April: Tapas – dein inneres Feuer

Patanjalis Yoga Sutra 2.43: „Kaya indriya siddhih ashuddhi kshayat tapasah“  – Das innere psychische Feuer (tapas) zerstört alle Unreinheiten von Herz und Geist und bewirkt die Gesundheit, Vernunft, Ganzheit oder Vervollkommnung des physischen und lebenswichtigen Wesens (der inneren Sinne). (Übersetzung und Interpretation durch Swami Venkatesananda)

Tapas passt sehr gut zu unserem Thema Saucha – Reinigung – Detox, das wir für den Frühling aufgenommen haben. Das Wort Tapasleitet sich vom Sanskrit-Wurzelverb “tap” ab, das “brennen” bedeutet und ein Gefühl von “feuriger Disziplin” oder “Leidenschaft” hervorruft. In diesem Sinne könnte Tapas Selbstdisziplin und Mut entwickeln, um körperliche, geistige und emotionale “Unreinheiten” zu verbrennen um den Weg zu unserer wahren Größe zu ebnen”.

Tapas wird meist als Selbstdisziplin übersetzt. Es ist ein hoher Anspruch an Qualität auf dem spirituellen Weg. Du wirst im täglichen Leben auf Versuchungen stoßen bei denen Selbstdisziplin dir vielleicht das Gleichgewicht gibt, das du suchst. Ein gutes Beispiel ist das frühe Aufstehen, um etwas Zeit für dich zu haben, bevor die Kinder aufwachen oder um um Yoga zu praktizieren. Das erfordert Disziplin und fühlt sich so lohnend an – vielleicht nicht vorher, doch nachher. Wie das Sutra 2.43 beschreibt, verbrennt die Selbstdisziplin Unreinheiten und “entfacht den Funken der Göttlichkeit”.

Dieses Verbrennen der (geistigen) “Verunreinigungen” kann man sich wie folgt vorstellen: Oft sind es mentale Konditionierungen, die uns zu bestimmten Handlungen bringen. Diese werden auch als Vrttis bezeichnet. So könnte beispielsweise jemand, der extrem schüchtern ist, die geistige Konditionierung haben, daß er im Hintergrund bleiben und nicht mit anderen sprechen soll, weil seine Beiträge zu einem Gespräch, sowieso nicht als wichtig angesehen würden. Nehmen wir an, diese Person bekommt einen Job, der öffentliches Reden, Händeschütteln mit Geschäftspartnern und das Wohlbefinden anderer Menschen beinhaltet, indem er/sie die Führung in Gesprächen übernimmt. Das wird für jemanden, der dieses vritti (Gedankenwelle) in seinem Kopf glaubt, schwierig sein. Jedes Mal, wenn diese Person nun die Maßnahmen ergreift, die diese neue Position erfordert, verhält sie sich entgegen ihrer mentalen Konditionierung. Dieser Kontrast zwischen Verhalten und dem vrtti erzeugt Reibung und Reibung erzeugt Wärme. Diese Hitze brennt jetzt langsam, aber sicher die mentale Konditionierung weg und eines Tages wird diese Person, die früher so schüchtern war, vor einer großen Gruppe aufstehen, einen Witz erzählen, jedem ein gutes Gefühl geben und in der Lage sein, andere wirklich zu inspirieren – ihr Verstand wird diese Person nicht länger davon überzeugen können, daß dies nicht möglich ist.

Für Yogapraktizierende bedeutet Tapas, die Matte jeden Tag auszurollen und zu üben. Es kann bedeuten, zweimal pro Woche im Studio zu sein, täglich gesundes Essen zu genießen oder gesunde Gedanken zu wählen.

Ich habe gerade an einem Handstand-Workshop teilgenommen und der Lehrer bestätigte, daß es mehrere tausend Stunden Übung braucht, um auf den Händen stillzustehen. Das Buch “Outliers” hat mich sehr inspiriert, wo ich las, daß es 10.000 Stunden Übung braucht, um in etwas gut zu sein. Es wird beschrieben, wie die Beatles eine der wenigen Gruppen weltweit waren, die jeden Auftritt akzeptierten und mehr auftraten als jede andere Gruppe jemals – manchmal an mehreren Standorten an einem Tag. Diese konstante und tiefe Disziplin, zu praktizieren, hat sie zu dem gemacht, wofür sie so berühmt waren.

Swami Satchidananda sagte, ja Tapas ist Selbstdisziplin aber nicht Selbstquälerei. Das wirft die Frage auf, warum du überhaupt Yoga praktizierst? Die Buddhisten sprechen über richtiges Denken und richtiges Handeln. Richtige Anstrengung ist nicht dasselbe wie mehr Anstrengung.

Was inspiriert dich? Wieviel bist du bereit zu geben und zu üben, um zu sein, wer du sein willst, zu tun, was du tun möchtest und das Leben zu schaffen, von dem du träumst? Wenn wir 100% geben, bekommen wir 100%, wenn wir 50% geben, bekommen wir 50% – bist du bereit, mit Begeisterung 100% für das zu geben, woran du glaubst?

Das ist dein Feuer. Deine Leidenschaft. Deine Bereitschaft, alles zu geben. Wie groß ist dein Feuer? Raumgreifend? Oder eine kleine Flamme?

Lass dich inspirieren – sei das Feuer!


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